RM-Hessen
Zeitung für Deutschland

In 15 Monaten soll das Hospiz fertig sein

Bauarbeiten in Rodgau haben begonnen

es. RODGAU. Vor eineinhalb Monaten erhielt die Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau die Baugenehmigung; am Samstag folgte der Spatenstich: Auf einem 4000 Quadratmeter großen Grundstück unmittelbar neben dem Wasserturm im Rodgauer Stadtteil Jügesheim legten Vertreter der Stiftung, Politiker und Projektpartner bei strahlendem Sonnenschein gemeinsam Hand an, schippten Sand und leiteten mit diesem symbolischen Akt den Baubeginn des ersten Hospizes im Kreis Offenbach ein.

Überbleibsel aus der Vergangenheit wurden bei archäologischen Grabungen auf dem Areal nicht entdeckt; auch der Kampfmittelräumdienst spürte keine explosiven Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Ein Bagger und ein Rohrbohrer stehen schon auf dem Gelände: Weil ein Kanal quer über das Gelände verläuft, werden seitlich davon betonummantelte Stahlträger in den Boden gebracht, auf denen das Gebäude ruhen wird. In 15 Monaten soll das Hospiz fertig sein. Es wird über 13 Zimmer verfügen. Zwölf Räume sind für unheilbar kranke Menschen gedacht; eines soll Angehörigen zur Verfügung stehen.

Zahlreiche Zuschauer nahmen an der Veranstaltung teil. Mehrere Redner hoben die Wichtigkeit des Vorhabens hervor. Von einem „bedeutenden Tag“ sprach etwa Landtagsvizepräsident Frank Lortz (CDU) aus Seligenstadt. Er würdigte das „beispielhafte ehrenamtliche Engagement“, das den Bau ermögliche. Rund 3,6 Millionen Euro wird das Hospiz kosten.

2011 suchte der Rotary Club Rodgau nach einem Projekt, das die Mitglieder fördern könnten. Damals wurde die Idee geboren, ein Hospiz für den Kreis Offenbach auf den Weg zu bringen. Auf 20 wird der Bedarf an Hospizbetten für Stadt und Kreis Offenbach geschätzt. In der Stadt Offenbach wurde 2014 das Hospiz Fanny de la Roche mit acht Plätzen eröffnet. Somit fehlen noch etwa zwölf Hospizbetten im Kreis. Patienten aus der Region müssen warten, bis ein Platz in den Hospizen in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Alzenau, Oberursel oder Heppenheim frei wird. Die Idee, ein Hospiz zu bauen, habe angesichts der Größenordnung „keine einfachen Diskussionen“ innerhalb des Clubs ausgelöst, hob der Vorsitzende der Stiftung, Nikos Stergiou, hervor, der Ärztlicher Direktor der Asklepios-Klinik in Seligenstadt ist. 2014 gründeten 24 Rotary-Mitglieder die Stiftung, die nach den Worten von Michael Römer, dem amtierenden Präsidenten des Rotary Clubs Rodgau, mit etwa 100 000 Euro startete.

Seither wuchs das Stiftungskapital kräftig an; es beträgt heute mehr als 1,5 Millionen Euro. Mehr als 1000 Zustifter unterstützten das Projekt mit Beträgen von fünf Euro bis zu 200 000 Euro. Diese Summe stellte die „Merck Family Foundation“ bereit, in der die Unternehmerfamilie Merck ihre karitativen Aktivitäten bündelt. Der Kreis Offenbach und zwölf der 13 Kreiskommunen beteiligten sich mit jeweils 20 000 Euro. Nur Neu-Isenburg ist nicht dabei. Verbände, Kirchengemeinden, Vereine und Kulturschaffende stehen ebenso auf der Spenderliste wie Unternehmen, Handwerker, Geldinstitute, Energieversorger und Privatpersonen. Eine weitere Million Euro erhält die Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau von der Frankfurter Werte-Stiftung. Private Darlehen und Vermächtnisse summieren sich auf 600 000 Euro. Für den Tag des Spatenstichs hatte sich die Stiftung vorgenommen, weitere 100 000 Euro einzunehmen. Das Ziel wurde sogar übertroffen: 123 000 Euro kamen am Samstag zusammen. Lothar Mark, Kuratoriumsmitglied und hartnäckiger Spendensammler, kündigte an, dass es nach dem Spatenstich noch vier weitere Anlässe geben werde, zu denen die Stiftung jeweils 100 000 Euro einwerben wolle.

Der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, Carsten Lehr, hob hervor, dass sich ein solches Projekt verwirklichen lasse, wenn Menschen mit anderen an einem Strang zögen und das Ziel nicht aus den Augen verlören. Das Hospiz bedeute keine Ausgrenzung, sondern solle Teil des Gemeinwesens sein. Die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) sprach von „einem guten Tag für die Stiftung, für die Menschen, die sich engagiert haben, und für die Sache“. Der Erste Stadtrat von Rodgau, Michael Schüßler (FDP), bezeichnete das Hospiz als „bürgerschaftliches Projekt im allerbesten Sinne“. Die Geschäftsführerin der Werte-Stiftung, Anna-Lisa Schwarz, wies darauf hin, dass das Hospiz sehr gut zu den von der Stiftung vertretenen Werten passe. Stergiou machte deutlich, dass Lebensqualität nicht beim Sterben aufhöre: „Das Sterben gehört zum Leben.“ Als Hospiz-Betreiber wurde die Mission Leben gewonnen, die zur Stiftung Innere Mission in Darmstadt gehört. Die Mission Leben begleite täglich rund 1300 Menschen auf dem letzten Lebensabschnitt, sagte Geschäftsführer Klaus Bartl. Mit dem Hospiz werde man dies noch besser leisten können.

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