RM-Kultur
Zeitung für Deutschland

Vereint für neues Kindertheater

Freie Szene gründet Verein – Hartwig: Bald Haus bespielen
„Wir wollen eine Stimme haben“: Der Verein „Paradiesvogel“ setzt sich dafür ein, dass auch Kinder und Jugendliche einen Platz im Zoo-Gesellschaftshaus finden. Lucas Bäuml

Die Frankfurter freien Kinder- und Jugendtheater bündeln ihre Kräfte: Der neugegründete Verein „Paradiesvögel – Frankfurter Modell für ein eigenständiges Kinder- und Jugendtheater“ versammelt die Frankfurter Künstler, die für junges Publikum arbeiten, und will sich ausdrücklich in die Planung und künftige Bespielung des Kinder- und Jugendtheaters im Zoo-Gesellschaftshaus einbringen.

„Wir wollen eine Stimme haben und dort vertreten sein“, sagte die Choreographin Célestine Hennermann, Vorstandsmitglied des Vereins, gestern. Für morgen ist die erste Sitzung des Vereins anberaumt, schon nächste Woche wird es ein erstes Treffen mit Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) geben. Darin soll es um eine Beteiligung der hiesigen Künstler an dem künftigen Betriebsmodell gehen, aber auch um Interimsaktivitäten in dem zwar sanierungsbedürftigen, aber doch bespielbaren Haus.

Hartwig wiederum stellt schon für Herbst die ersten Gastspiele im Saal des Zoo-Gesellschaftshauses in Aussicht: Die belgische Gruppe Ultima Vez solle im Rahmen des Festivals Tanzplattform Rhein-Main dort im November die generationenübergreifende Performance „Invited“ sowie Workshops zeigen. Außerdem solle das Festival „Starke Stücke“ im Frühjahr 2020 das Zoo-Gesellschaftshaus bespielen, für weitere Projekte mit dem Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik und der Vereinigung Assitej sei man in Gesprächen, so Hartwig. „Meine Vorstellung ist es, das Haus so schnell wie möglich zu bespielen, um zu zeigen, dass es das Haus des Kinder- und Jugendtheaters ist.“

Auch der Verein „Paradiesvögel“ hat vor, womöglich schon in diesem Jahr das Zoo-Gesellschaftshaus mit einzelnen Projekten der freien Kinder- und Jugendtheaterszene zu bespielen sowie seine Vorstellungen für ein zeitgemäßes Theaterkonstrukt im Zoo-Gesellschaftshaus zu formulieren. „Wir nehmen jetzt die Arbeit auf“, so Hennermann. Bei der Vorstellung des Grundsatzbeschlusses zum Bau des neuen Kindertheaters, den der Magistrat in der vergangenen Woche gefasst hat, hatte Hartwig mitgeteilt, sie wolle mit einer Bespielung nicht warten, bis das Haus fix und fertig gebaut sei. „Ich verstehe das Engagement des Vereins als Rückenwind“, sagt sie gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich freue mich über den Schulterschluss.“

Von Anfang an sei geplant gewesen, das neue Theater als „offenes Haus“ zu konzipieren. „Die lokalen Akteure haben diesen Prozess mit begleitet“, so Hartwig. Dies solle auch weitergehen, in dem neuen Haus solle ein „Miteinander der freien Szene mit dem neuen Theater“ gelingen. Die spürbare Nervosität unter den schon bestehenden Kindertheatern sei unbegründet, so Hartwig. Nach dem Grundsatzbeschluss werde nun konsequent weitergearbeitet.

Bei „Paradiesvögel“ engagiert sind die namhaften Vertreter der freien Szene, die für künstlerisch anspruchsvolles, innovatives Kinder- und Jugendtheater stehen, vom Theater Grüne Soße über das Theaterhaus Ensemble und Theaterperipherie bis zu Einzelkünstlern. Der Verein geht auf eine Podiumsdiskussion im Frühjahr im Rahmen des Festivals „Starke Stücke“ zurück, die im Zoo-Gesellschaftshaus stattgefunden hatte. Damals war, auch von externen Fachleuten, ein schnelles „Besetzen“ des Hauses verlangt worden und eine demokratische, offene Konstruktion jenseits von starren Intendanten- und Ensemble-Modellen, die auch im Erwachsenentheater zunehmend auf Kritik stoßen. emm.

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