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Dorint will nicht das nächste Motel One sein

Die Kölner Hotelkette hat die Krisenjahre hinter sich und sucht nach neuen Standorten
Nachholbedarf: Die Hotelkette Dorint will ihr Angebot verbessern. Stefan Finger

joja. DÜSSELDORF, 8. Juli. In der Hauptstadt hat Dorint noch Nachholbedarf. Zwar seien die Raten für eine Übernachtung in Berlin schlimm, doch müsse das Unternehmen zwingend dorthin, findet Dirk Iserlohe. Der Unternehmer ist seit kurzem Aufsichtsratsvorsitzender der Kölner Hotelkette und außerdem Chef der Honestis AG, unter deren Dach die Dorint-Geschäfte geführt werden. „Da haben wir gerade noch einen kleinen Marktnachteil; wir müssen Firmen einfach anbieten können, dass sie auch in Hamburg und Berlin in der Innenstadt Betten buchen können“, sagt Iserlohe. Für das Unternehmen sind die Geschäftskunden nämlich besonders wichtig. „Wir haben Tagungskompetenz“, findet Iserlohe, „und wir wollen das auch ausbauen.“

Und wenn die großen Geschäftskunden eben in Hamburg und Berlin tagen wollen, dann soll auch Dorint dorthin. Früher gab es dort Hotels von der Marke, doch war das zu der Zeit, als auch der französische Hotelkonzern Accor noch an Dorint mit 30 Prozent beteiligt war. 2007 drang Accor auf eine Aufspaltung und nahm dabei 53 Hotels mit, nur 41 blieben bei Dorint.

Nach einer jahrelangen Sanierung ist die Kölner Hotelkette heute wieder bei 52 Häusern angelangt – bis zum Jahresende soll die Zahl noch auf 60 steigen. Das hat auch ein paar symbolische Gründe, feiert das Unternehmen doch in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Unrealistisch ist das trotzdem nicht, ein „kontrolliertes“ Wachstum ist dem Dorint-Geschäftsführer Karl-Heinz Pawlizki sehr wichtig. Deshalb konzentriert sich die Hotelkette bei ihrer Expansion auch auf den deutschsprachigen Raum und versucht ihre Marke zudem gerade stärker zu differenzieren. Unter dem Markennamen „Hommage“ stehen die drei 5-Sterne-Hotels der Kette und unter „Essential“ gruppiert das Unternehmen 3-Sterne-Häuser, die sich auch an Geschäftskunden richten. „Die Welt hat nicht darauf gewartet, dass wir ein weiteres Motel One erfinden, das machen die allein schon professionell genug“, sagt Iserlohe. Aber auch in der Dorint-Familie soll es Hotels geben, die vielleicht kein Schwimmbad oder einen Tagungsraum wie das normale 4-Sterne-Hotel haben, aber trotzdem sonst alle Services der Kette. Da achte das Unternehmen auch nicht so stark auf die letzte Nachkommastelle, Regionalität sei erlaubt – es müsse nicht alles gleich aussehen. „In Köln muss es den Halven Hahn geben und an der Nahe einen guten Weißwein, das gehört dazu“, sagt Iserlohe.

Der Umsatz der Gruppe ist im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent auf 294 Millionen Euro gestiegen, das Betriebsergebnis betrug 3,9 Millionen Euro nach 3,5 im Jahr 2017. Durch den Fokus auf Geschäftskunden sind Portale wie Booking.com oder HRS für die Dorint-Kette auch kein großes Problem. 65 Prozent der Anfragen kämen direkt über die Hotels, weitere zehn über die eigene Internetseite. Ein Viertel der Buchungen sind dann von solchen Anbietern. „Wir versuchen natürlich, das Geschäft über eigene Kanäle zu ziehen, sehen die Anbieter aber als Partner, nicht als Feinde“, sagt Pawlizki.

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