Wirtschaft
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Deutsche Betriebe sind Mittelmaß

Ob Cloud Computing oder Big Data, andere tun mehr
Gut abgefedert: Bei der Anwendung neuer 3D-Druck-Technologien hat Deutschland die Nase vorn. dpa

dc. BERLIN, 30. Oktober. Fast alle Unternehmen in Deutschland haben einen Internetzugang, aber nur gut die Hälfte hat schnelles Internet mit mindestens 30 Megabit je Sekunde. In Schweden, das damit in Europa vorn liegt, sind es 75 Prozent. Das zeigen Auswertungen, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch zusammen mit seinem neuen Statistischen Jahrbuch veröffentlicht hat. Deutschland bewegt sich damit in der Europäischen Union im Mittelfeld.

Die mäßige Verbreitung schneller Datenleitungen könnte auch erklären, warum deutsche Unternehmen seltener sogenannte Cloud-Dienste nutzen als europäische Mitbewerber, also den internetgestützten Zugriff auf externe Software, Rechenleistung oder Speicherkapazität: Unter den größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten nutzen demnach hierzulande 49 Prozent diese digitalen Möglichkeiten, im EU-Durchschnitt sind es 56 Prozent.

In der Anwendung sogenannter Big-Data-Analysen ist die deutsche Wirtschaft wiederum mittelmäßig. Über alle Spielarten hinweg – ob mit Verbraucherdaten, etwa aus sozialen Netzwerken, oder Maschinendaten, wie sie in der Industrie anfallen – betrieben in Deutschland zuletzt 34 Prozent der größeren Unternehmen solche systematischen Analysen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als der EU-Durchschnitt.

Einen Vorsprung für deutsche Unternehmen weist die Statistik hingegen aus, wenn es um die Anwendung neuer 3D-Druck-Technologien geht: Während hierzulande 18 Prozent der größeren Unternehmen dieses Fertigungsverfahren nutzten, waren es im EU-Durchschnitt erst 13 Prozent. Ein Grund ist nach Einschätzung der Statistiker der hohe Anteil an Industrieunternehmen hierzulande.

Der Präsident des Statistischen Bundesamts, Georg Thiel, sieht insgesamt „erheblichen Nachholbedarf“ in Sachen Digitalisierung in Deutschland, wie er zur Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs erläuterte. Und das betreffe auch die öffentliche Verwaltung. Zwar zeigten die Erhebungen beispielsweise, dass von Januar bis März 2018 insgesamt 57 Prozent der privaten Internetnutzer mit Behörden online in Kontakt traten. Zumeist luden sie aber nur Informationen oder höchstens Formulare zum Ausdrucken herunter. Nur 18 Prozent reichten Anträge auch online ein – fehlende technische Möglichkeiten, teils aber auch Sicherheitsbedenken standen im Weg.

Das Statistische Bundesamt selbst hat sich indes einen fast radikalen Aufbruch ins digitale Zeitalter verordnet: Nach insgesamt 68 Ausgaben endet die Ära des Statistischen Jahrbuchs. Von 2020 an wird dieses Kompendium nicht mehr neu zusammengestellt und gedruckt – stattdessen soll das Internetangebot der Behörde benutzerfreundlicher werden.

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