Die Verteilung der Vermögen in der Gesellschaft ist ein Fixpunkt der politischen Debatte, an dem sich immer wieder die Geister scheiden. Für Karl Marx war es ein ehernes Gesetz des Kapitalismus, dass die Verteilung der Vermögen im Laufe der Geschichte immer ungleicher wird und letztlich in der Revolution mündet. Im letzten Jahrzehnt hat der französische Ökonom Thomas Piketty das Verhältnis der Wachstumsrate von Einkommen und Vermögen ins Zentrum seiner Überlegungen zur Dynamik der gesellschaftlichen Ungleichheit gestellt. Wie sich die Vermögen und ihre Verteilung in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert entwickelt haben, ist bisher kaum bekannt. Ob etwa – wie mitunter zu hören – die Vermögensungleichheit in Deutschland derzeit ein Rekordhoch erreicht hat und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, ließ sich bisher nicht mit hinreichender Sicherheit auf solider Datengrundlage beantworten.