F.A.Z.-Elite-Panel
Merz überzeugt die Führungsspitzen
5 Minuten

Friedrich Merz: Bundesvorsitzender der CDU und Fraktionsvorsitzender der Unionsparteien im Bundestag

dpa

Der Oppositionsführer gilt nun vor allem den Führungsspitzen der Unternehmen mit weitem Abstand als der geeignetere Kanzler, aber auch unter den politischen Entscheidern steigt sein Rückhalt. Zu diesem Ergebnis kommt das neue Elite-Panel, für das die Meinungsforscher aus Allensbach im Auftrag der F.A.Z. und der Zeitschrift „Capital“ fast 500 der ranghöchsten Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland befragt haben.

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Von den im Panel vertretenen 336 Vorstandsmitgliedern und Unternehmern sprechen sich 73 Prozent für Merz aus, ein Plus von fast 20 Prozentpunkten. Unter den Spitzenpolitikern stieg der Zuspruch um 7 Punkte auf 41 Prozent. Dass sich „die Wirtschaft klar hinter Merz versammelt“, führt Allensbach-Chefin Renate Köcher auch auf die nochmals gewachsene Unzufriedenheit über die Standortbedingungen zurück. Trotz des leicht optimistischeren Ausblicks auf die Konjunktur sei Deutschland als Wirtschaftsstandort aus Sicht der Entscheider im letzten halben Jahr „noch mal regelrecht durchgesackt“. Lediglich 27 Prozent der Entscheider stellen dem Standort noch ein gutes Zeugnis aus.

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Das hat Köcher sehr überrascht, ebenso der enorme Zuspruch für das harte Urteil des Industriepräsidenten Siegfried Russwurm, nach dem die bisherige Regierungszeit der Ampel für den Standort „zwei verlorene Jahre waren“. Dieser Aussage stimmen 80 Prozent der Führungsspitzen der Wirtschaft zu und fast die Hälfte der befragten Politiker. „Das habe ich noch nie gesehen“, sagt Demoskopin Köcher. Festgemacht wird die Kritik an der Energiepolitik, einer Überregulierung und zu geringer Förderung der Wirtschaft.

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Vier von fünf befragten Unternehmern und Vorständen bezweifeln, dass die Politik überhaupt ein realistisches Bild von der Lage und den Nöten der Wirtschaft hat. Selbst eine Mehrheit der Politiker sieht das so. Entsprechend negativ fällt auch die Antwort auf die Frage aus, wie sich das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik verändert habe. Fast einhellig sprechen Unternehmer von einer Verschlechterung. Diesen Eindruck bestätigt selbst die große Mehrheit der befragten Politiker. Aber unternimmt die Wirtschaft selbst genug, um das Land voranzubringen? Zwei von drei Politikern werfen den Unternehmen vor, nicht genug zu tun. Auch die Hälfte der Unternehmer und Manager im Panel räumt dies selbstkritisch ein.

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Mit Mühe hat sich die Ampelkoalition auf ein viertes Bürokratieentlastungsgesetz geeinigt, um der geballten Kritik der Unternehmen an lähmender Überregulierung die Spitze zu nehmen. Doch ist das Echo auf den Entwurf, der im Herbst im Bundestag beschlossen werden soll, für die Regierung niederschmetternd. Nur ein Prozent der Wirtschaftsspitzen glaubt an eine deutliche Wirkung, fast 80 Prozent erwarten bloß geringe oder gar keine Entlastung. Die Skepsis rührt auch daher, dass die Eliten die Hauptquelle des Problems inzwischen auf der europäischen Ebene verorten. Für Regelungen, die Unternehmen belasten, machen 77 Prozent vor allem die EU verantwortlich, in zweiter Linie den Bund und mit größerem Abstand Länder und Kommunen.

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Von der neuen EU-Kommission, an deren Spitze an diesem Donnerstag vermutlich wieder die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen gewählt wird, wünschen sich die deutschen Entscheider folgerichtig an erster Stelle eine Stärkung des Wirtschaftsraums. Dieses Ziel habe die Kommission vernachlässigt, kritisieren insgesamt 77 Prozent des Panels. In der Dringlichkeit der Aufgaben rangiert die Stärkung der Wirtschaft für eine Mehrheit der Befragten sogar vor besserer Steuerung der Zuwanderung und dem Vorantreiben von Umwelt- und Klimaschutz.

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Mit der Bundesregierung sind nur noch 9 Prozent zufrieden, dennoch glaubt die überwältigende Mehrheit nicht an ein vorzeitiges Ende der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Stark verändert hat sich die Einschätzung, wer das Bündnis dominiert. Vor zwei Jahren sahen 73 Prozent die Grünen als prägende Kraft, 10 Prozent die SPD und 7 Prozent die FDP. Mittlerweile schreiben nur noch 31 Prozent den Grünen die Führungsrolle zu, 19 Prozent der FDP und 15 Prozent der SPD.

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Mit jeder Befragungswelle würden die Grünen schwächer wahrgenommen, während die FDP zugelegt habe, sagt Köcher. Die SPD erwecke nicht den Eindruck, sie habe das Heft des Handelns in der Hand. Das sei ein unübliches Muster, normalerweise werde der größte Koalitionspartner stärker. Kein Wunder, dass nur 12 Prozent der Entscheider der SPD eine Chance geben, mit Olaf Scholz die Bundestagswahl 2025 wieder zu gewinnen. Allerdings habe auch 2022 lange kaum jemand an eine Aufholjagd der SPD geglaubt, gibt Köcher zu bedenken. Die Wunschkoalition wäre für 44 Prozent der Führungsspitzen eine schwarz-gelbe Regierung, die derzeit aber rechnerisch keine Mehrheit hätte. 22 Prozent würden Schwarz-Grün bevorzugen, 19 Prozent eine große Koalition.

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Was raten die Entscheider mit Blick auf die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, in denen die AfD im Herbst überall stärkste Kraft werden könnte? Die klare Mehrheit des Panels lehnt eine Koalition mit der AfD kategorisch ab. Die Ansichten über das in Umfragen starke neue Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sind geteilt: Für knapp die Hälfte der Entscheider ist das BSW eine extreme Partei, die andere Hälfte würde das nicht sagen oder ist unentschieden.

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80 Prozent der Führungseliten sehen in der AfD, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft wird, eine Gefahr für den Standort Deutschland. Daher hatten sich zuletzt auch Unternehmen vermehrt in die politische Diskussion eingemischt und für Demokratie, Offenheit, Vielfalt und Toleranz geworben. Dass sich Unternehmen politisch positionieren, halten drei Viertel des Panels für richtig, die Führungsspitzen der Wirtschaft sind aber etwas zurückhaltender als die Politik. Große Wirkung verspricht sich von solchem Engagement ohnehin nicht mal die Hälfte der Befragten.

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Dass in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November Donald Trump als Sieger hervorgehen wird, halten die deutschen Führungsspitzen weit überwiegend für wahrscheinlich. Diese Aussicht beunruhigt allerdings etwas weniger als noch im vergangenen Jahr. Die Sorgen über negative Folgen für die deutsche Wirtschaft, etwa durch die von Trump im Wahlkampf angedrohten hohen Zölle, sind in der Politik größer als in den Unternehmen. Während 53 Prozent der befragten Vorstände und Unternehmer mit Schäden für die Wirtschaft rechnen, befürchten dies 70 Prozent der befragten Politiker.

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Das Elite-Panel ist die am prominentesten besetzte Umfrage in Europa. Von Mitte Juni bis Anfang Juli befragte das IfD Allensbach telefonisch 484 Entscheider, darunter waren diesmal 136 Vorstandsmitglieder großer Konzerne, 89 Spitzenpolitiker und 44 Spitzenbeamte.

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Quelle: F.A.Z. Artikelrechte erwerben
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